Geposted am 16. Dezember 2013 in Keine Kommentare »

In den meisten Ländern Europas ist das Lebensmodell der Doppelresidenz längst gesetzliche Realität. In Belgien ist die Doppelresidenz das prioritäre Modell nach der Trennung. Von diesem darf erst abgegangen werden, wenn nachgewiesen wird, dass es dem Kind zum Nachteil gereicht.

Es kann nicht sein dass jemand gegen geltendes Recht verstoßen kann, ohne dass etwas passiert. Ein Gerichtsurteil ist geltendes Recht. Ein Verstoß muss Konsequenzen haben. Das gilt in beide Richtungen. Väter die ihre Kinder nicht zu sich nehmen obwohl sie das Kontaktrecht haben machen sich strafbar, ebenso Mütter die sich nicht an das Besuchsrecht halten.

In Schweden wird dem Elternteil die Obsorge entzogen, der den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil behindert. Nach Einführung dieser gesetzlichen Regelung sanken die Abbrüche von Besuchskontakten radikal.

Kommt es derzeit nach der Trennung/Scheidung zur Frage: “Was ist wichtiger für das Kind? Dass es trotz Trennung Vater und Mutter im Alltag erleben kann, oder dass es einen fixen Wohnplatz hat?” So entscheidet die Gesellschaft ganz klar. Die Wohnung ist wichtiger. Absurd, oder?

Ist es nicht eigenartig, wenn es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass einer dem Kind fremden Person (z.B. Tagesmutter, Kindergärtnerin), mit größter Selbstverständlichkeit in dessen Leben sehr viel Platz eingeräumt wird, der getrennt lebende Elternteil aber zeitlich auf 14-tägige Kontakte beschränkt bleiben soll.

Dort wo Macht einseitig verteilt wird, wird sie oft zum eigenen Vorteil benützt, führt es zu Spannungen und nicht selten zum Krieg. Warum sollte dies bei Eltern anders sein? Trennung bedeutet meist eine zutiefst narzisstische Kränkung. In dieser Phase hat dzt.  ein Elternteil alle Macht den anderen dort zu treffen wo er am verletzlichsten ist – dem eigenen Kind.

Derzeit wird einem Elternteil de facto (nicht de jure) das alleinige Recht übertragen, darüber zu entscheiden ob, wie lange, wie oft, mit wem, in welchen Zeitabständen und wie Besuchskontakte auszusehen haben. Hält sich der Besuchselternteil nicht an dieses Diktat, wird oft mit der Einschränkung oder dem völligen Abbruch der Besuchskontakte gedroht. Schon kleinste Abweichungen von der Meinung des Obsorgeberechtigten können dazu führen. Das Gefühl entmündigt zu sein und permanente Anspannung sind die Folgen.

Die Gesellschaft erwartet und fordert von Vätern in aufrechter Ehe das selbe Engagement gegenüber ihren Kindern, wie von Müttern – zu Recht. Lassen sich die Eltern scheiden, soll sein Betreungsanteil auf 14-tägige Kontakte beschränkt werden. Der Mutter wird die gesamte Verantwortung übertragen. Tradierte Rollenmuster werden so durch die Hintertür wieder zum Aufleben gebracht. Man meint damit sowohl Kindesinteressen, als auch Fraueninteressen zu schützen und merkt nicht, dass es sowohl an diesen, als auch an gesellschaftlichen Realitäten vorbeigeht.

Muttermythos. Die Gesellschaft erwartet von der Mutter, dass sie die Trennungstraumatas der Kinder allein in den Griff bekommt. Geringere Karrierechancen, weniger Einkommen und eine schlechtere Altersvorsorge sollten für sie nebenbei auch kein Problem darstellen. Und wenn sie dann, alleingelassen mit ihren pubertierenden Kindern scheitert geiselt man sie, ob ihrer erzieherischen Inkompetenz.  So einfach ist das. Oder?

Väter nehmen ihre Verantwortung gegenüber dem eigenen Kind oft nicht wahr. Es gibt viele Mütter die den Vater nach der Trennung gerne mehr im Leben der Kinder integriert haben möchten, aber auf eine „Mauer“ stoßen.

Eine Dekonstruktion des Frauen- und Männerbildes ist an der Zeit.