Erfahrungsberichte

Kleine Zeitung: Artikel über Doppelresidenz

Wenn Kinder nach der Scheidung ihrer Eltern je zur Hälfte bei Mama und Papa zu Hause sind: Wie können Kinder von der „Doppelresidenz“ profitieren und was müssen Eltern dabei leisten?

Von: Daniela Bachal in der Kleinen Zeitung am 24.Februar 2019

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Kleine Zeitung_Teil   4   –   Bericht von Praktizierenden

Erfahrene „Doppelresidenz-Eltern und -Kinder“ breichten von ihren Erfahrungen

Familie D

Meine Geschichte

Mein Name ist Norbert Cuba. Ich bin Goldschmied und Designer und 39 Jahre alt. Ich habe eine Tochter. Ihr Name ist Xenia Beatrice Cuba. Ich liebe meine Tochter, wie man als Vater sein Kind nur lieben kann.

Als meine Exfrau und ich uns vor 12 Jahren scheiden ließen, gab es das Sorgerecht für beide Elternteile in Österreich noch nicht. Die Aussage vom Richter war aber eindeutig:
1. Er würde ein doppeltes Sorgerecht nie befürworten und
2. Alle Punkte, worüber man sich nicht einig wird, kommen zu Gericht und werden von dort aus entschieden.
3. Wir haben ja auch ganz alleine zusammengefunden, also wäre das Auseinanderfinden auch im Alleingang die beste Variante.
Die Aussage hat schon was! Ich muss sagen, es hat mich wirklich nachhaltig inspiriert.

Für mich warfen sich folgende Fragen auf:
Mit welchem Recht nehme ich meiner Tochter ihre leibhaftige Mutter????
Oder, was muss passieren, dass ich so etwas tue?
Im Leben meiner Tochter zu ihrer Mutter hat sich ja nichts verändert.
In diesem Moment war mir klar, dass meine Exfrau plötzlich im „Leo“ stand, denn die Eltern werden immer die Eltern bleiben.
Also anders ausgedrückt, alles was ich Böses zu meiner Exfrau hinüberwerfe, bekomme ich postwendend über meine Tochter zurück.

Für mich hat Auseinandergehen sehr viel mit Vergebung, Loslassen und einen ordentlichen Patzen an Geduld zu tun. Das meine Exfrau und ich uns beide um unser Kind kümmern wollen stand immer außer Frage. In noch intakter Beziehung hatte jeder seine Fixtage für Familie und Freizeit. Das wollten wir beibehalten, mit der Möglichkeit eines Neuanfangs. Die Vorteile dieser Regelung waren enorm.

Jeder von uns hatte Zeit für das Kind, für sich selbst und für die Arbeit. Es gab keine Notwendigkeit den anderen um Geld zu bitten. Warum auch, denn jeder sorgt für das Kind zu gleichen teilen.

Hinsichtlich der Aufteilung einigten wir uns für eine sehr dynamische Version.
Montag, Mittwoch fix bei Papa
Dienstag, Donnerstag fix bei Mama
Freitag, Samstag, Sonntag abwechselnd.
Immer bezugnehmend darauf, wie sich meine Tochter dabei fühlt. Mit Problemen hatten wir immer zu kämpfen, aber das hat man auch vor der Scheidung oder??!!

Hinsichtlich der Handhabung mit dem Gewand, sind wir auf folgende Lösung gekommen:
Keiner wäscht für den anderen. Wenn meine Tochter zu mir kommt und sich am Abend auszieht, werden alle ihre Sachen in ein Sackerl gegeben. Und genauso hält sich meine Exfrau daran. Beim nächsten Treffen tauschen wir die Sackerl aus und fertig.

Wir wollten uns aber nicht treffen. Nun, wir hatten damals den Vorteil, dass ich beim Ausziehen die Nachbarwohnung bekommen hatte. Ich montierte eine recht große Kiste an meiner Eingangstüre und gab meiner Exfrau einen Schlüssel dazu. Also, wenn ich am nächsten Morgen fort ging, habe ich ihre Sachen in den Kasten gesperrt und umgekehrt. Und siehe da, es hat wirklich funktioniert.

Ort der Übergabe des Kindes war zuerst der Kindergarten und später die Schule. Auch hier keine Berührung mit dem Expartner, denn der Eine brachte sie hin und der Andere holte sie ab.

Entstehende Fixkosten wie Schul-, Hortgeld etc. werden geteilt und einmal im Monat abgerechnet. Die Kinderbeihilfe wird ebenfalls aufgeteilt.

Ich weiß, da werden jetzt viele große Augen machen was alles geht, aber lasst euch nicht dazu hinreißen dem Ex eines auszuwischen, denn es wird euch mehr kosten als euch lieb ist, in emotionaler, aber auch in finanzieller Hinsicht .

Mein Wunsch wäre es, dass die Frage danach, wer die Obsorge bekommen soll ganz verschwindet. Denn die Eltern werden immer die Eltern bleiben.

Norbert