Familie A

Wie wars vor der Trennung?

  • Wer hat die Kinder wieviel betreut?

Da ich in Karenz war, habe ich die Kinder überwiegend betreut. Ihr Vater war aber sehr wohl präsent, da er als Volksschullehrer arbeitet und schon am frühen Nachmittag zu Hause war und sich dann um die Kinder gekümmert hat.

  • Wer war in Karenz?

Ich

  • Wie kam es zur Entscheidung – Doppelresidenz?

Mein Exmann wollte für seine Kinder da sein und sich gleichberechtigt um sie kümmern, außerdem hatten wir Freunde, die es auch so gelebt haben und bei denen es gut funktioniert. Eine Motivation für meinen Exmann war sicher auch, dass er keine Alimente zahlen wollte.

  • Wie alt waren die Kinder?

Mein Exmann ist ausgezogen wie meine Kinder 2, 3,5 und 7 Jahre alt waren.

  • Was hatte „das Gericht“ (ev. Jugendamt) für eine Haltung dazu?

Anfänglich war der Richter dagegen und wollte unseren Vergleich nicht unterschreiben, wir konnten ihn aber im Gespräch davon überzeugen, dass wir bereits ein Jahr so leben und dass es gut funktioniert. Es wurden zwar Alimente festgesetzt, da es vom Gesetz nicht vorgesehen ist, dass die Kinder genau 50:50 bei ihren Eltern leben. Die Kinder sind bei mir gemeldet und am Papier 16 Tage des Monats bei mir, 14 Tage bei ihrem Vater. Daraus ergibt sich, dass mein Exmann für die Kinder Alimente zahlen muss. Es fließen aber keine Zahlungen zwischen uns, weil die Kinder in der Realität die Hälfte der Zeit bei mir, die Hälfte bei ihrem Vater leben.

  • Wie schaut das konkrete DR – Modell aus?

Die Kinder sind immer Montag und Dienstag bei ihrem Vater, Mittwoch bis Freitagnachmittag bei mir und die Wochenenden immer abwechselnd bei ihm oder mir. Ferien werden extra ausgemacht.

  • Gab es Änderungen seit der Trennung?

Nein

  • Konkreteres zu Entfernung der Eltern zueinander, Schulbesuch, Kleider- undSpielsachen Transport u.a.m zum gelebten Alltag?

Wir leben im selben Ort, ca. 10 Gehminuten voneinander entfernt. Wir haben ein gemeinsames Auto, das immer derjenige hat, bei dem die Kinder sind. Die Kinder haben in beiden Haushalten ihre Spielsachen, manche Sachen werden hin und her geführt, da sie nur einmal vorhanden sind (Sportausrüstung, Gameboy, etc.). Die Kleidung wird nicht getrennt „verwaltet“. Ich beziehe die Kinderbeihilfe und kaufe alles für die Kinder (Kleidung, Schulsachen,etc.) und bestreite alle Ausgaben für das Auto. Lediglich größere Ausgaben werden geteilt (Zahnspange, Schullandwoche, etc). Der Schulbesuch ist von beiden Haushalten aus unkompliziert, da der Schulbus von beiden Häusern erreichbar ist. Kindergeburtstage werden einmal bei mir, einmal bei ihm unter Beteiligung beider Elternteile gefeiert.

  • Wie ist die Haltung der Kinder dazu und wie gehen sie damit um?

Die Kinder sind sicher froh, dass sie beide Elternteile gleich viel sehen, sind aber manchmal verwirrt und fragen, wann sie bei wem sind.

Was sind die Probleme mit der Doppelresidenz?

  • Fürs Kind bzw. die Kinder?

Der Wechsel zwischen den Eltern ist für meine beiden jüngeren Kinder sicher manchmal schmerzlich und es ist mir bewusst, dass v.a. mein jüngerer Sohn (6) unter den vielen „kleinen Trennungen“ (manchmal zweimal/Woche) sehr leidet. Alle drei Kinder sagen, dass sie den Elternteil, bei dem sie gerade nicht sind, sehr vermissen. Die ersten paar Stunden nach dem Wechsel sind meine jüngeren Kinder immer ziemlich überdreht und ich hab das Gefühl, dass sie es mir übel nehmen, dass wir uns nicht täglich sehen.

  • Für die Erwachsenen?

Organisatorisch manchmal recht aufwändig. Ohne die Unterstützung der Großeltern beider Seiten wäre es nicht machbar, so zu leben. Die Planung der Wochenenden ist ziemlich kompliziert, da beide Elternteile neue Partner haben, mit denen sie nicht zusammen leben und es oft schwierig ist, eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden. Erwähnen möchte ich außerdem, dass es oft schwierig ist, die Ansichten/Lebensweise des Vaters meiner Kinder zu akzeptieren, v.a. wenn Dinge passieren, die ich nicht für gut für unsere Kinder halte. Ich nehme an, dass es ihm umgekehrt genauso geht. Außerdem ist meine finanzielle Lage nicht besonders gut. Mein Exmann und ich haben zwei komplette Haushalte und für die Kinder wurde fast alles doppelt angeschafft, wodurch ich gezwungen bin, einem Nebenjob nachzugehen.

Warum sind wir als Eltern überzeugt, dass wir für die Kinder das beste Modell gefunden haben. Worin sehe ich den Vorteil in der Doppelresidenz des Kindes/der Kinder

  • Fürs Kind?

Die Kinder haben kontinuierlich engen Kontakt zu beiden Elternteilen und wissen, dass das den Eltern sehr wichtig ist. Der Vater kommt nicht abhanden (wie in so vielen Fällen). Die Kinder können ihn/mich jederzeit anrufen und es ist auch kein Problem, Sachen, die sie bei ihrem Vater/bei mir vergessen haben, zu holen.

  • Für die Erwachsenen?

Beide Elternteile sind in gleicher Weise für die Kinder verantwortlich und erleben den Alltag mit ihnen. Keine Degradierung zum „Wochenendpapa“. Auch für die „unangenehmen“ Agenden wie Arztbesuche, Schulaufgaben, etc. fühlen sich beide Elternteile verantwortlich. Durch das Modell der Doppelresidenz habe ich überdurchschnittlich viel Freizeit, verglichen mit anderen Müttern, was es mir ermöglicht, auch noch ein Leben abseits von 2 Jobs und Kindern zu haben. Diese Zeit, die ich nach meinen Bedürfnissen verbringen kann, ist notwendig, um wieder Energie zu tanken, die ich im Zusammenleben mit meinen Kindern brauche.

Würde ich beim nächsten Mal was anders machen?

Davon ausgehend, dass Trennungen für Kinder sehr schmerzhaft sind, halte ich das Modell der Doppelresidenz mit den Möglichkeiten und Ressourcen, die mir und dem Vater meiner Kinder zur Verfügung stehen, sowie mit unserer Einstellung, dass wir gleichberechtigt die Verantwortung für unsere Kinder übernehmen wollen, für die beste Lösung nach unserer Trennung.

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