Behörden im Obsorgeverfahren – ein schwieriges Kapitel

Auf dieser Seite soll beschrieben werden, wie schwierig es mitunter werden kann Behördeneinschätzungen ausgeliefert zu sein.

Cochemer Modell

Jugendamt, Sachverständige, Lebensberatung, Gericht und Anwaltschaft 

haben sich in Deutschland zusammengeschlossen und ein neues Modell erarbeitet.

Im Vordergrund steht der Prozess – also, die Befähigung der Eltern, Entscheidungen zugunsten ihrer Kinder zu treffen.

So heißt es z.B.:

Sachverständige sollten mit ihrer fachlichen Kompetenz konfliktschlichtend wirken können

Nicht ein Gutachten soll die erste Aufgabe des Sachverständigen sein. Die Kernaufgabe des Gutachters stellt die Prozessbegleitung dar.

….Psychologische Sachverständige sollten vielmehr ihr Fachwissen unterstützend und konfliktschlichtend einsetzen, um auf diese Weise mit den Betroffenen eine Vertrauensbasis für gemeinsam zu erarbeitende Lösungen in Trennungs- und Scheidungssituationen zu erreichen. Nur hierdurch können für Kinder eine konstruktive Verarbeitung und Bewältigung des Trennungs- und Scheidungsgeschehens angestrebt und Schädigungen in der kindlichen Entwicklung abgewendet werden.

….mehr dazu

Der Sachverständige ?

Ausschnitt aus dem Abschlussbericht der Expertengruppe „Obsorgeverfahren“ 2004

Kapitel 6. Der Sachverständige

Zur Rolle der Sachverständigen in familienrechtlichen Verfahren:

„So ist etwa nicht sichergestellt, dass die Berufserfahrung, die von psychologischen und psychiatrischen Sachverständigen verlangt wird, derart gelagert ist, dass sie der Erstellung von Gutachten in Obsorgeverfahren dienlich ist. Beklagt wird auch, dass die in familienrechtlichen Angelegenheiten erstellten Gutachten – vergleicht man sie – oft sehr inhomogen sind.“

Auch kommt es immer wieder zu überlangen „Wartezeiten“ auf die Erstellung der in Auftrag gegebenen Gutachten, da es im Bereich der Psychiatrie sehr wenige gerichtlich beeidete Sachverständige gibt und im Bereich der Psychologie Richter und Richterinnen immer wieder dieselben Sachverständigen bestellen….

…Problematisch ist auch, dass Kinder zum Teil mehrmals „begutachtet“ werden, was zu einer erheblichen Belastung der Kinder führen und eine „Therapieresistenz“ begründen kann. Unpräzise Fragestellungen der Richter bedingen teilweise unbestimmt bleibende Gutachten…

.. Schließlich ist festzustellen, dass Gutachten oftmals „intime“ Details enthalten (es besteht in rechtlicher Hinsicht keine Verschwiegenheitspflicht des Arztes – vgl OGH, 1 Ob 310/97p) und so „Munition“ im Kampf der Parteien gegeneinander bieten.

Überwiegend werden von der Expertengruppe generell die methodologischwissenschaftlichen Grenzen des „entscheidungsorientierten Gutachtens“
hervorgehoben. Grundproblem dieses Gutachtenskonzepts ist, dass etwa die Frage, bei welchem Elternteil das Kind seinen hauptsächlichen Wohnsitz haben soll, eine Wertentscheidung und mit psychologischen Mitteln nicht beantwortbar ist.
Diese Entscheidung kann nur von den Eltern des Kindes getroffen werden. Diese sind auf Grund ihres Konflikts jedoch vielfach hiezu nicht in der Lage. Es geht nun darum, wie den Eltern die diesbezügliche Kompetenz wieder verschafft werden kann. Hier erscheint der Expertengruppe das Konzept eines „lösungsorientierten Gutachtens“ durchaus richtungsweisend. Das Ziel lösungsorientierter Begutachtung besteht nämlich darin, im Interesse des Kindes den Paarkonflikt zwischen den Eltern
abzubauen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich diese auf eine einvernehmliche Lösung ihres Kinderstreits einigen können. Im Gegensatz zur entscheidungsorientierten Begutachtung liegt diesem Vorgehen die Annahme zu Grunde, dass Trennungskinder in der Regel keine emotionale Präferenz für einen Elternteil haben, weil sie Mutter und Vater gleichermaßen lieben. link

Im Grabenkampf der Eltern…

…werden Kinder nur allzu oft als Waffe eingesetzt. Wer nach langem Gezerre die Kinder letztlich bei sich behalten kann, der versucht sie dem anderen Elternteil häufig zu entziehen und zu entfremden.

Das verbriefte Umgangsrecht des anderen wird dabei erfolgreich ausgehebelt, ohne Rücksicht auf Verluste. Hauptsache der Expartner leidet.

Zwei Fälle aus Deutschland
Betroffen
* ein Vater, der seine Kinder seit 6 Jahren nicht mehr sieht und
* eine Mutter, die ihr Kind seit 12 Jahren nicht mehr sieht
und wie immer
* die Kinder.

Sachverständige sind sich einig, dass Kontakte der Kindern zum anderen Elternteil gut wären. Der Elternteil bei dem die Kinder leben, hält sich aber einfach nicht daran.

Ohnmacht auf allen Ebenen.

Fälle, wie es viele davon auch in Österreich gibt. 3sat-Film

Ein Wandel vom entscheidungsorientierten Gutachten, hin zum lösungsorientierten Gutachten wäre ein möglicher Weg aus der Sackgasse. siehe dazu